From the archive · October 2024

Langfristige Planung: SAP S/4HANA – Cloud oder On-Premise?

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Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit, in der Schweiz mit mehreren Führungskräften eines renommierten Dienstleistungsunternehmens zu sprechen, das für seine traditionell hohen Standards bekannt ist. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand die Frage, wie sie ihre IT-Landschaft zukunftssicher gestalten können: mit SAP S/4HANA in der Cloud oder einer On-Premise-Lösung? Wie auch bei der #DSAG in Leipzig wurde betont, dass diese Entscheidung nicht nur technischer Natur ist, sondern eine grundlegende strategische Weichenstellung darstellt, die langfristige Auswirkungen auf Flexibilität, Kostenstruktur und Kontrolle hat.

Ähnlich wie bei der Wahl zwischen einem traditionellen Verbrennungsmotor und einem Elektroauto müssen Unternehmen zwüschen Kontrolle und Flexibilität abwägen – eine Entscheidung, die das Verhältnis zwischen „Eigentum“ und „Miete“ widerspiegelt. Cloud-Lösungen bieten zwar größere Agilität und potenziell niedrigere Einstiegskosten, während On-Premise-Installationen mehr Kontrolle und Anpassungsfreiheit ermöglichen, jedoch oft mit höheren initialen Investitionen verbunden sind.

In dieser Besprechungsnotiz werde ich die zentralen Faktoren und Perspektiven, die wir in unserem Gespräch erörtert haben, strukturiert darstellen. Dabei werde ich die Sichtweisen der CIOs und CFOs einbeziehen, die entscheidend sind, um die Lösung zu finden, die am besten zur langfristigen Unternehmensstrategie passt.

Analogien zwischen Automobilen und IT-Lösungen

Diese Entscheidung lässt sich gut mit dem Vergleich zwischen traditionellen Benzinautos und modernen Elektroautos darstellen. Unternehmen müssen zwischen den Vorteilen von Kontrolle und Flexibilität abwägen – ähnlich dem Unterschied zwischen Eigentum und Miete.

On-Premise: Der Benzinmotor und das „Eigenbesitz“-Modell

On-Premise kann hier wie ein klassischer Benzinmotor betrachtet werden, der heute einfacher und kostengünstiger erscheint, mit langfristiger Planbarkeit und ohne laufende Abonnementgebühren. Das Eigenbesitz-Modell bietet:

Volle Kontrolle und Individualisierung: Ähnlich wie beim Kauf eines Autos, das individuell angepasst werden kann, erlaubt ein On-Premise-SAP-Setup die komplette Kontrolle über Infrastruktur, Updates und Sicherheit, wodurch Unternehmen maßgeschneiderte Anpassungen vornehmen können. Faustregel, je grösser das Unternehmen, desto beliebter ist diese Variante.

Langfristige Vorhersehbarkeit: Der Besitz eines Autos bedeutet vorhersehbare Wartung ohne wiederkehrende Zahlungen, so wie die Stabilisierung der Kosten nach der Anfangsinvestition bei On-Premise-SAP. Diese Lösung spricht Unternehmen an, die Wert auf Stabilität statt auf zum Teil nur suggerierte Flexibilität legen.

Cloud: Elektroauto und das „Mieten“-Modell

Die Cloud kann mit einem Elektroauto verglichen werden, das langfristig Potenzial bietet und wie ein Mietmodell Flexibilität statt Besitzpriorität setzt:

Skalierbarkeit und geringe Anfangskosten: Die Cloud erfordert weniger Anfangsinvestitionen (#CAPEX), stattdessen eine regelmäßige #OPEX-Belastung. Das erlaubt eine dynamische Ressourcenzuteilung, ideal für Unternehmen mit wachsendem oder saisonal schwankendem Bedarf.

Automatische Updates und Wartung: Wie Mietwagen, die stets gewartet bereitgestellt werden, bietet die Cloud automatisierte Updates und wird von SAP unterstützt, was die IT-Teams von großem Wartungsaufwand entlastet. Ähnlich wie beim Mieten (Zusatzkilometer, zusätzlicher Fahrer, Auslandseinsatz) können langfristig jedoch Zusatzkosten entstehen, insbesondere für Übernutzung, die hohen Kosten für zusätzliche Module oder Integrationen in bestehende Systeme.

Kostenbeispiel für On-Premise- und Cloud-Setups (vage aus dem Gespräch übernommen):

Bei einem On-Premise-Setup könnten im Voraus Hardware- und Softwarekosten in Höhe von 1.000.000 EUR anfallen, zuzüglich jährlicher Wartungskosten von 100.000 EUR. Über einen Zeitraum von zehn Jahren summiert sich dies auf etwa 2.000.000 EUR.

Im Vergleich dazu könnte ein Cloud-Setup monatlich 35.000 EUR kosten, was über zehn Jahre insgesamt 4.200.000 EUR ergibt. Dies zeigt eine 110% höhere Kostenbelastung gegenüber dem On-Premise-Ansatz. Die Cloud bietet jedoch Vorteile wie Flexibilität, Skalierbarkeit und geringere Wartungsverpflichtungen, was für Unternehmen mit schwankenden IT-Anforderungen sinnvoll sein kann.

Langfristiger Ausblick – Benchmark 2030 vs. 2040 Während die Cloud in bestimmten Szenarien – wie bei dynamischen Workloads oder schnellen Innovationszyklen – deutliche Vorteile bietet, schätzen viele Experten eine breitere ERP-Cloud-Adoption erst ab 2030 als realistisch ein. Gründe hierfür sind die kontinuierliche Optimierung der Betriebsabläufe seitens SAP und der Hyperscaler sowie die zunehmende Umstellung vieler Unternehmen auf SAP-Cloud-Lösungen. Die Cloud-Kosten variieren meist nach Benutzerzahl, Speicherkapazität und zusätzlichen Funktionen, während On-Premise-Systeme durch fixe Anfangsinvestitionen und planbare Wartungskosten eine stabile Grundlage bieten. Trotz dieser Vorteile erweist sich die Cloud als flexibler – aktuell jedoch mit höheren Betriebskosten.


Laut aktuellen Analysen könnte die SAP-Cloud bis 2030 hinsichtlich der TCO mit On-Premise-Lösungen gleichziehen und ab 2040 voraussichtlich sogar vorteilhafter werden. Durch gezielte Investitionen in Preisstrategien und Kostenreduktionen für die Cloud wird SAP Unternehmen zukünftig die Möglichkeit geben, ihre Nutzung dynamisch anzupassen und nur für tatsächlich benötigte Ressourcen im Sinne von ‚Pay per Use‘ zu zahlen.

Summary German-speaking SAP User Group (DSAG e.V.) in Leipzig


Fazit: Kosten-Nutzen-Überlegungen zum Cloud-Umstieg für CFO und CIO (aus Sicht eines SAP ECC-Kunden)

CFO-Perspektive: Fokus auf Kostenkontrolle und Planbarkeit

Für den CFO steht die Entscheidung zwischen Cloud und On-Premise unter dem Gesichtspunkt der Kostenkontrolle, Planbarkeit und Return on Investment:

1) Planbarkeit der Kosten On-Premise-Systeme bieten stabilere und besser planbare Kosten, da Investitionen als einmalige Kapitalaufwendungen bilanziert werden. Cloud-Dienste hingegen nutzen flexible, nutzungsbasierte Preismodelle, die schwerer kalkulierbar sind und durch Nutzungsschwankungen unvorhersehbare Kosten verursachen können. Daher wird die Cloud oft als „flexible, aber teurere“ Lösung angesehen.

2) Investitionssicherheit und Total Cost of Ownership (TCO) CFOs betrachten die Cloud-Migration oft mit Vorsicht, da die TCO steigen könnte, sofern keine klaren Einsparungspotenziale bestehen. Ein Beispiel zeigt, dass die Cloud-Lösung über zehn Jahre rund 4,2 Mio. EUR kosten könnte – eine 110%ige Steigerung gegenüber 2 Mio. EUR für On-Premise. Dies verstärkt die Skepsis gegenüber Risiken unerwarteter Cloud-Kosten, etwa durch zusätzliche Gebühren bei Überschreitung des Nutzungsumfangs.

3) Langfristige Strategie (2030 als Ziel) Bis 2030 könnte die Cloud für CFOs attraktiver werden, da mit zunehmender Nachfrage stabilere Preise und verbesserte Leistungen zu erwarten sind. Bis dahin ermöglicht On-Premise eine stabile Kapitalstruktur und eine klare Steuerung des IT-Budgets. CFOs könnten daher empfehlen, vor 2030 keinen umfassenden Wechsel vorzunehmen, außer es bieten sich klare und direkte Vorteile.

CIO-Perspektive: Flexibilität, Skalierbarkeit und Innovationsfähigkeit

Der CIO bewertet die Entscheidung für die Cloud aus der Perspektive der digitalen Transformation und Innovationsfähigkeit:

  1. Flexibilität und Skalierbarkeit Die Cloud ermöglicht es, IT-Ressourcen bedarfsabhängig zu skalieren. Für CIOs, die an dynamische Märkte und schnelle Reaktionszeiten denken, ist die Möglichkeit, Kapazitäten flexibel anzupassen, entscheidend, um Innovationen und Wachstum zu fördern.

  2. Zukunftsorientierte IT-Strategie Ein CIO sieht in der Cloud eine strategische Investition in die digitale Transformation, die langfristig Zugang zu neuen Technologien und Effizienzgewinnen ermöglicht. Mit stetigen Fortschritten in den Bereichen Datensicherheit und Hochverfügbarkeit gewinnt die Cloud zunehmend an Zukunftsfähigkeit und gilt als Schritt in Richtung Technologieführerschaft.

  3. Realistischer Umstiegshorizont (bis 2030) Viele CIOs erkennen die technologische Überlegenheit der Cloud, sehen jedoch auch, dass der Umstieg zum richtigen Zeitpunkt erfolgen sollte. Die Reife vieler SAP ECC-Systeme und die Komplexität eines CleanCore machen eine sofortige Umstellung oft schwierig. Ein Migrationshorizont bis 2030 könnte sinnvoll sein, wenn SAP S/4HANA Cloud weiter gereift ist und Cloud-Anbieter kosteneffizientere Lösungen bieten. Hybride Modelle könnten in dieser Zeit einen flexiblen Übergang ermöglichen.

Abgestimmte Roadmap für die Cloud-Migration

Eine abgestimmte Migrationsstrategie mit einem klaren Horizont bis 2030 kann CFOs und CIOs dabei unterstützen, die Vorzüge der Cloud voll auszuschöpfen und dabei das Risiko unerwarteter Kosten zu minimieren. CFOs schätzen die Stabilität und Planbarkeit der On-Premise-Lösung, während CIOs die Cloud als langfristigen Standard für Flexibilität und Innovation sehen. Ein schrittweiser Übergang ermöglicht eine optimale Balance zwischen diesen Perspektiven.


Written by Andreas BORN · Back to the sapperment library